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„Auf sie!“ sagte sich der propere Knecht, breitete die Flügel der Liebe aus und landete auf der willig dahingestreckten Magd. Gierige Lust in jeder Faser. Plötzlich ein frühzeitiger Erguss. Aus seiner stattlichen Nase. Gefolgt von einer Salve an Haptschis. Seine Augen schwellen zu. Ein asthmatischer Hustenanfall.

Eben noch strotzend vor Gesundheit – nun rotzend trotz Gesundheit. Ein ungeplanter Interruptus des heimlichen Stelldicheins. Auf dem Heuschober.

Wie sich die Entdeckung des Heuschnupfens tatsächlich zutrug, fand ich nie heraus. Erstmalig diagnostiziert wurde er jedoch im 19. Jahrhundert.

Inzwischen ziehen wir die virtuelle Welt für Annäherungsversuche vor. Sie ist pollenfrei. Tatsache ist ebenfalls, dass Frauen vom allergischen Dauerschnupfen stärker betroffen sind als Männer.

Seit drei Wochen nun auch ich, wie ein Pricktest belegte. 50 Jahre lang streifte ich durch Roggenfelder, steckte meine Nase tief in Ambrosia, sinnierte unter blühenden Buchen. Es hat mich nie gejuckt.

Offensichtlich bin ich ein Allergiker light. Andere, wie meinen Bruder, beeinträchtigten die Symptome der Pollinosis massiv. Manchmal ein ganzes Jahr. Er wurde Segler. Denn: Wenn Algen blühen, vermehren sie sich lediglich tonnenweise. Für eine Immuntherapie – Hypersensibilisierung(SIT) – hatte er nicht genügend Durchhaltevermögen.

Die Spritzen muss man sich mindestens drei Jahre unter die Haut jagen. Alternativ geht es auch mit Tropfen oder Tabletten. Heilung: so lala. Mit Kortisonspray und Antihistaminika schwellen die Schleimhäute ab. Linderung ja, beschwerdelos nie. Sollte ich nun doch ein Spätentzünder sein? Und: Wie kann ich mich gegen den Angriff der tückischen Pollen noch wappnen? Zum Beispiel die Fenster hermetisch abdichten, um die Blütensaison im heimischen Bunker zu verbringen. Grillen adé, Bewegung adé, Leben adé. Pollengitter davor schrauben, um vom Knastfeeling schließlich Depressionen zu bekommen? Die Straßenkleidung vor dem Schlafzimmer ausziehen. Gerne doch. Allerdings atme ich ja nicht nur nachts. Ganz oft feucht putzen. Schon überlesen. Haare täglich waschen. Mit einer Feinstaubmaske durch den duftenden Frühling laufen usw. –  Alles gut gemeint, doch Theorie und Praxis sind selten gute Verbündete. Vielleicht frage ich einfach noch mal meinen Arzt oder Apotheker.

Hurra! Abermals steht die besinnliche Adventzeit vor der Tür und damit die Frage: Wie werde ich sie dieses Jahr überleben?

Jedes Jahr kurz vor Weihnachten bricht bei mir die nackte Panik aus und schon der Gedanke, alle meine Verwandten wiederzusehen und mich ihren Fragen bezüglich meines gesellschaftlich nicht zufriedenstellendem Single-Status zu stellen, treibt mir Schweißtropfen auf die Stirn. Von der Jagd nach Geschenken, die niemand wirklich braucht, gar nicht zu reden. Warum nur tue ich mir das eigentlich an?

Als ich meine Freundin Ulla auf einen schnellen Orangenpunsch am Weihnachtsmarkt treffe, strahlt sie mich an. Als ich sie frage, ob sie nicht genauso gestresst wie ich sei, nickt sie.

Sie müsse noch irgendwelche Ninjago Krieger für ihren Neffen besorgen und habe wie jedes Jahr

keine Ahnung, womit sie ihren Vater eine oder keine Freude machen könne. Dennoch wirkt sie völlig gelassen, also quasi wie ein lebender Widerspruch meiner Selbst. Als ich sie darauf anspreche, verrät sie mir, dass sie neuerdings auf Naturheilkunde und im Besonderen auf Hanftropfen schwöre. Besonders in der Adventzeit würden nur einige Tropfen am Tag bei ihr schon Wunder bewegen. Ein aufbauendes Lächeln unterstreicht das, was sie sagt. Warum eigentlich nicht? Ich leere meinen Becher und sehe auf die Uhr. Wie lange hat die Apotheke um die Ecke eigentlich offen? Vielleicht sind Einigkeit und Harmonie doch keine Utopie und ich schaffe es heuer tatsächlich zu lächeln, wenn Tante Erna mir ein Foto ihres alleinstehenden Nachbarn zeigt.

Der nette Apotheker erklärt mir, dass Hanfextraktprodukte nicht nur die Abwehrkräfte stärken, sondern auch das persönliches Wohlbefinden steigern, ganz ohne psychodelische Wirkung. Die Vorstellung, mich unter dem Christbaum nicht nur gesund zu fühlen, sondern auch gestärkt und gelassen, beflügelt mich. Ich lasse mir gleich zwei Fläschchen einpacken, denn ich glaube, meine Mutter könnte auch ein wenig Aufmunterung vertragen. Das Christkind kann dieses Jahr also gerne kommen!

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