SPÄTSOMMER – DIE FÜNFTE JAHRESZEIT IN DER TCM

Der Jahreszenit ist bereits überschritten. Wie wir schon wissen, gehen in der TCM, der traditionell chinesischen Medizin, die Uhren ein wenig anders. Daher nähert sich bald der Herbst. Doch zuerst wollen wir uns, gemäß den 5 Elementen, der fünften Jahreszeit zuwenden. Dies ist der Spätsommer und er ist dem Erde-Element zugeordnet. Genauer gesagt, finden wir diese Jahreszeit im Jahreskreis immer zwischen zwei Jahreszeiten. Diese Übergangszeit wird Dojo-Zeit genannt. Es handelt sich um einen Zeitraum von 18 Tagen, der für Entlastungstage genutzt werden kann, um den Körper gut auf die kommende Jahreszeit vorzubereiten. Die aktuelle Dojo-Zeit ist von 28. Juli bis 15. August.

Das Element Erde trägt die Qualitäten von innerer Stabilität, Mitgefühl, Genährt sein.

Ihm zugeordnet ist die Farbe Gelb, und der süße Geschmack. Die Natur beschenkt uns mit Getreide wie Hirse und Polenta, Erdäpfeln, Karotten, Erbsen, und Kürbis und Obst wie Marillen,Pfirsiche, süße Äpfel und Melone.

Magen und Milz, unsere Mitte, sind die Organe, denen unsere Aufmerksamkeit besonders geschenkt werden soll. Denn ist die Mitte gestärkt, können auch die anderen Organe harmonisch arbeiten. Unsere Mitte, vor allem die Milz, hat es gerne warm, süß und trocken, und das mit Regelmäßigkeit.

Im Magen wird der Nahrungsbrei aufgespalten und zur Weiterverdauung im Dünndarm aufbereitet. Die Milz verteilt die Einzelteile im gesamten Körper und schaut, „dass es allen Organen im Körper gut geht“. Die Milz produziert Qi und Blut.

Doch auch Eindrücke und Gedanken möchten verdaut werden.
Als Emotion ist dem Erde-Element das Nachdenken zugeordnet. Kommen wir zu sehr ins Grübeln, kann sich das „auf den Magen schlagen“.

„Sei lieb zu deiner Mitte“, erinnert Dr. Weidinger immer wieder. Denn ist die Mitte geschwächt,  bildet sich zu viel Feuchtigkeit, und das Qi, die Energie kann im Körper nicht mehr gut verteilt werden.

Symptome eines Milz-Qi-Mangels:

  • Müdigkeit, va nach dem Essen
  • Erschöpfung, va am Vormittag (Milzzeit 9-11:00)
  • verschleimte Atemwege: belegte Nebenhöhlen, Schnupfen, Husten mit Auswurf
  • Verdauungsschwierigkeiten, Blähungen, Neigung zu Durchfällen
  • schwere Beine, Wassereinlagerungen, Cellulite
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Grübeleien, Probleme wälzen, Schwierigkeiten bei Lösungsfindungen

Was können wir unserer Mitte Gutes tun?

  • regelmäßige, gekochte Mahlzeiten (besonders ein warmes Frühstück)
  • Wurzelgemüse liebt die Mitte, besonders Karotten
  • Reduzierung bzw. Vermeidung stark befeuchtender Nahrungsmittel: Milch, Joghurt, Käse, Rohkost, Süßigkeiten und Weißmehl
  • regelmäßiger Tagesrhythmus und ausreichend Schlaf
  • bewusstes Reduzieren von äußeren Einflüssen wie Handy, Fernseher, belastende Diskussionen
  • erdende Tätigkeiten wie Kochen oder Gartenarbeit
  • Spaziergänge in der Natur (das entspannt gleichzeitig die Leber)
  • Gelb- und Brauntöne in den Alltag holen, mit Kleidung, einer Tagesdecke, einem Bild von einem Kornfeld, Sonnenuntergänge …

Die Dojo-Zeiten …

… geben uns die Möglichkeit, Rückschau auf die Jahreszeit zu werfen, die zu Ende geht. Gibt es noch etwas zu verdauen? Vorausschauend auf die kommende Jahreszeit können wir ein paar Entlastungstage einlegen, die unsere Mitte stärken und so mit auch den restlichen Körper. Reis, gedünstetes Gemüse, erfrischende Suppen und Kräutertees tun unserer Mitte gut. Verzicht auf Süßigkeiten, Kaffee und Alkohol steigern die Wirkung. Der Spätsommer ist außerdem der ideale Zeitpunkt, um anzufangen, unser Immunsystem zu boostern, damit wir gut durch die kühlere Zeit kommen und diversen Erregern trotzen können.
 

Kräuter für Tees und zum Würzen

  • Fenchel, Kümmel und Anis – klassisch verdauungsfördernd, schon Babys tut‘s gut
  • Kamillenblüte, Pfefferminze und Schafgarbe beruhigen den Magen
  • Rosmarin und Thymian runden Gemüsegerichte ab
  • Brennnessel und Zinnkraut helfen bei Cellulite und beim Ausschwemmen von „nicht Verdautem“

„Harmonie der Mitte“ lautet der Name der passenden Weidinger Mischung Nr. 12. Diese Mischung ist für Klein und Groß geeignet bei Verdauungsproblemen und Völlegefühl. Das Zusammenspiel der einzelnen Kräuter hilft der müden Mitte wieder stark zu werden. Alle Nahrungsbestandteile werden leichter verdaulich gemacht, Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß. Sie werden aufgespalten und zur optimalen Weiterverwertung aufbereitet. Die Chinesen sprechen von Hitze, Feuchtigkeit und Schleim, die verteilt werden, damit das Qi, unsere Lebensenergie wieder frei fließen kann. 2-3 x täglich eine Tasse ca 15 min vor den Mahlzeiten als Kur.
Bei Bedarf als akutes Helferlein vor einem schweren Essen.

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Quellen:
Dr. Weidinger, Die chinesische Hausapotheke, Hemm, Noll; Die Organuhr, Christian Schmincke, Chin. Medizin für die westliche Welt.

Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und ersetzt keinen Arztbesuch. Die Umsetzung jeglicher Tipps liegt in der Eigenverantwortung der Leserinnen und Leser.